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„Microsoft Ignite „Book of News“ oder …

· 4 Min. Lesezeit

„Geiler Scheiß“ — aber Vorsicht, man kann sich auch verbrennen

Seit Jahren ist die Microsoft Ignite ein Quell der Inspiration und Innovation, den Microsoft der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Wir sind selbstverständlich auch immer dabei und hängen Microsoft sprichwörtlich an den Lippen – wir absorbieren, diskutieren und lassen uns durch das Vorgestellte inspirieren. Es ist immer wieder faszinierend, wie oft der Ausruf „geiler Scheiß” kommt und das spricht durchaus für Microsoft und deren herausragendes Marketing, aber manchmal ist nicht alles Gold, was glänzt. Sobald sich die erste Euphorie legt, geht es darum, was von den vorgestellten Neuerungen in unserem Umfeld und für unsere Kunden nutzbar ist.

Auf einen Blick – was b-imtec dazu sagt:

  • Microsoft präsentiert auf der Ignite beeindruckende neue Features – und das Marketing ist tatsächlich gut. Aber zwischen Demo und Produktionsreife liegen oft 12–24 Monate und einige unerwähnte Einschränkungen.
  • Datamarts waren ein konkretes Beispiel: Klingt nach Self-Service ohne IT, steht in den Docs aber unter einer Power BI Premium-Lizenzpflicht und deutlichen Skalierungsgrenzen.
  • Unser Ansatz: Wir prüfen jedes neue Feature gegen die Realität unserer Kunden – laufende Systemlandschaft, Budget, Know-how. Evolution statt Revolution.
  • Stabiles Fundament bleibt entscheidend: Ein sauber aufgebautes Data Warehouse trägt neue Features besser als jedes Schnellschuss-Feature auf wackligem Grund.

Microsoft trifft hier eine klare Aussage: Natürlich alles!
Wir möchten Microsoft nicht widersprechen, aber die Aussage etwas differenzierter betrachten – natürlich mit dem Blick auf unsere bestehenden und zukünftigen Kunden.
Bei aller Euphorie muss das, was Microsoft an neuen Technologien auf den Markt bringt, auch einen Mehrwert bieten. Das ist nicht allein die Funktion, sondern vor allem das Zusammenspiel von Preis und Leistung. Und hier wird es spannend. Viele unserer Kunden haben bereits operative Systeme im Einsatz und betreiben diese in ihrer eigenen Systemlandschaft.

„Never change a running System” könnte man jetzt als Gegenargument zu Microsoft anführen, aber das wäre zu kurzsichtig. Grundsätzlich ist Evolution ein wichtiges Thema – aber eben Evolution und nicht Revolution. Unser Ansatz bei Power-BI-Projekten folgt genau dieser Logik. Aus diesem Grund prüfen wir sehr genau die Gegebenheiten, die wir bei unseren Kunden vorfinden und beraten hier offen und ehrlich. Ist „das Blech“ aktuell und brauchbar, werden wir sicherlich keine Empfehlung für die Cloud aussprechen, sondern das vorhandene Setup nutzen – andersherum sprechen wir natürlich auch eine Empfehlung aus, wenn Handlungs- und Cloudbedarf besteht. Und das tun wir nicht nur zum Projektstart, sondern während der gesamten Geschäftsbeziehung.
Um das Muster greifbar zu machen, schauen wir auf das damalige Beispiel: Microsoft Datamarts — auf der Ignite 2022 stark beworben, in den Docs dann mit anderem Beipackzettel.

Microsoft positionierte Datamarts als Self-Service-Lösung „ohne IT“. In den Docs stand: Power BI Premium Lizenz erforderlich, Skalierungsgrenzen bei großen Datenmengen, kein Ersatz für klassische DWH-Funktionen wie Aggregationen, komplexe DAX-Statements oder Objektsicherheit. Das Marketing-Versprechen löste sich bei genauem Hinsehen in Nuancen auf.

Das Ergebnis 2026: Datamarts wurden eingestellt. Die Funktionalität wurde in Dataflows Gen2 und Fabric Data Warehouse überführt. Formaler Deprecation-Stichtag: 1. Oktober 2025. Wer 2022 Zeit in Datamart-Implementierungen investiert hat, musste migrieren — abhängige Reports liefen sonst auf Fehler.

Das Muster hinter dem Beispiel

Datamarts sind ein abgeschlossener Fall, aber das Muster wiederholt sich bei jedem großen Feature-Launch. Die Fragen bleiben dieselben:

  • Welche Lizenzschwelle steht in den Docs — nicht im Marketing-Deck?
  • Welche Skalierungs- oder Funktionsgrenzen werden nicht erwähnt?
  • Welches Feature wird durch das neue ersetzt — oder läuft es parallel und macht die Entscheidung komplizierter?
  • Wie lange braucht ein angekündigtes Feature bis zur Produktionsreife? (Faustregel: 6–12 Monate nach GA, bei Preview 12–24 Monate.)

Wer 2026 auf Fabric Data Agents, AI Skills oder ähnliche neue Features schaut, sollte dieselben Fragen stellen — bevor Budget und Zeit investiert werden.

Unser Weg

Wir bauen Lösungen auf, bei denen wir gerne auch Microsoft Azure Komponenten einsetzen. Gezielt und bewusst ausgewählt, helfen diese unseren Kunden ihre Projekte schnell, sicher und effizient ans Ziel zu bringen. Die sorgfältige Auswahl der einzelnen Komponenten ist dabei entscheidend für den Projekterfolg. So kann eine hybride Lösung aus OnPrem-Produkten und Azure-Komponenten für ein Unternehmen wesentlich erfolgsversprechender sein, als ein simples Vertrauen auf den allerneusten „geilen Scheiß“.  

Totgesagte leben länger

Entgegen der Aussage, dass das Konzept Data Warehouse tot ist, setzen wir nach wie vor auf diese etablierte Technik. Warum? Ganz einfach: Ein stabiles Fundament ist für eine erfolgreiche BI-Lösung absolut entscheidend.

Diese Voraussetzung schaffen wir mit einem durchdachten und performanten Data Warehouse. Wer mehr zu konkreten Architekturoptionen lesen möchte: Moderne Data-Warehouse-Architekturen mit Microsoft. Es folgt Werbung in eigener Sache: Wir haben uns mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt. Mehr dazu hier. Dieses Vorgehen verbaut keinesfalls den Weg in die schöne, neue Microsoft-Welt, sondern stellt einen soliden Startpunkt in diese dar. 

Langfristig. Nachhaltig. Vertrauensvoll.

Es ist uns sehr wichtig Lösungen anzubieten, die kostengünstig sind, denn die Kostenhürde ist die Erste, die genommen werden muss. Zudem muss eine Lösung ohne Weiteres für den Kunden und seine Mitarbeiter bedienbar sein. Nachdem das Projekt gemeinsam mit dem Kunden gelauncht wurde, versetzen wir diesen in die Lage seine BI-Lösung möglichst selbstständig zu betreiben. Das notwendige Know-how bauen wir zusammen mit unserem Kunden praxisnah anhand seiner Projekte auf. So entsteht Vertrauen in die eigene Lösung und ein hoher Nutzungsgrad innerhalb des Unternehmens – die Investition rechnet sich.

Was Fabric heute wirklich kann: Microsoft Fabric für den Mittelstand

Häufig gestellte Fragen

Was ist aus Microsoft Datamarts geworden?
Microsoft hat Datamarts 2023 als eigenständiges Feature eingestellt. Die Funktionalität wurde in Dataflows Gen2 integriert, die Teil von Microsoft Fabric sind. Wer Datamarts im Einsatz hatte, musste migrieren. Das ist ein gutes Beispiel für das Muster, das dieser Post beschreibt: Preview-Features, die sich zwischen Ankündigung und GA noch grundlegend ändern.

Wie entscheidet b-imtec, welche Microsoft-Features es empfiehlt?
Wir prüfen drei Dinge: Erstens die Systemvoraussetzungen und Lizenzkosten, die das Marketing gerne auslässt. Zweitens die Reife – Preview-Features sind selten produktionstauglich, auch wenn die Demo gut aussieht. Drittens die Passung zur bestehenden Infrastruktur unserer Kunden. Evolution schlägt Revolution.

Wann ist ein Microsoft-Feature wirklich produktionsreif?
Als Faustregel gilt: General Availability (GA) ist ein Startpunkt, kein Garant. Bei Fabric-Features rechnen wir mit 6–12 Monaten nach GA bis zur stabilen Produktionsreife. Bei Preview-Features mit 12–24 Monaten. Das ist keine Kritik an Microsoft – das ist die Realität jeder komplexen Plattform.

Thomas Körting
Geschrieben von Thomas Körting Marketing & Vertrieb · b-imtec GmbH

Schreibt über BI-Strategie, Praxiserfahrungen und das, was im Mittelstand wirklich funktioniert.

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