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Power BI Q&A wird eingestellt – Copilot übernimmt ab Dezember 2026
Wer Power BI Q&A nutzt, um per Freitext-Eingabe Daten abzufragen, muss sich umstellen: Microsoft stellt das Feature im Dezember 2026 komplett ein. Danach funktionieren bestehende Q&A-Visuals nicht mehr – in Berichten, Dashboards, der mobilen App und in Embedded-Szenarien. Der Nachfolger heißt Copilot. Und der bringt neben neuen Möglichkeiten auch neue Anforderungen mit.
Was genau verschwindet
Q&A war Microsofts erster Versuch, natürliche Sprache in Power BI zu bringen. Nutzer konnten Fragen wie “Umsatz nach Region letztes Quartal” eintippen und bekamen ein automatisch generiertes Visual zurück. Das funktionierte – mal besser, mal schlechter.
Ab Dezember 2026 wird das komplett abgeschaltet. Konkret betroffen sind:
- Q&A-Visuals in Berichten – die interaktiven Fragefelder, die viele Teams in ihre Dashboards eingebaut haben
- Q&A auf Dashboards – die Fragenleiste oben auf dem Dashboard
- Q&A in der mobilen App – der virtuelle Analyst
- Q&A in Embedded Analytics – also auch kundenspezifische Einbettungen via API
- Q&A Setup – das komplette Autoren-Tooling mit Synonymen, linguistischen Beziehungen und Vorschlagsfragen
Neue Q&A-Visuals können ab dem Stichtag nicht mehr erstellt werden. Bestehende werden deaktiviert und entfernt. Wer hier nicht rechtzeitig migriert, hat plötzlich leere Stellen in seinen Berichten.
Warum Microsoft diesen Schritt geht
Die Begründung ist nachvollziehbar: Q&A und Copilot bedienen denselben Anwendungsfall – Datenabfrage per natürlicher Sprache. Zwei parallele Features mit überlappender Funktion zu pflegen, bremst die Entwicklung. Microsoft konsolidiert auf Copilot, um schneller neue KI-Funktionen liefern zu können.
Copilot nutzt generative KI statt der regelbasierten Sprachverarbeitung von Q&A. Das bedeutet in der Praxis: Die Antworten sind kontextbezogener, die Frageerkennung flexibler, und das System kann nicht nur Visuals generieren, sondern auch Zusammenfassungen erstellen und DAX-Queries schreiben.
Was Copilot konkret kann, was Q&A nicht konnte
Der Funktionssprung ist real. Copilot in Power BI bietet:
Natürliche Sprachabfragen mit generativer KI. Statt starrer Musterkennung versteht Copilot den Kontext eines semantischen Modells – Tabellen, Spalten, Measures – und generiert passende Antworten. Die Trefferquote bei komplexeren Fragen liegt spürbar über dem, was Q&A leisten konnte.
DAX Query Generation im DAX Query View. Das ist für Power-BI-Entwickler die eigentlich spannende Neuerung. Copilot kann DAX-Abfragen direkt im DAX Query View von Power BI Desktop generieren und erklären. Statt eine DAX-Formel manuell zu schreiben, beschreibt man in natürlicher Sprache, was man berechnen will, und Copilot liefert den Code. Das spart erfahrenen Entwicklern Zeit und hilft weniger erfahrenen, überhaupt erst mit DAX produktiv zu werden.
Copilot auf der Power BI Startseite. Microsoft hat Copilot direkt auf die Power BI Startseite gebracht. Nutzer können dort Fragen stellen, ohne erst einen Bericht öffnen zu müssen – eine Standalone-Erfahrung, die Q&A auf Dashboards ersetzt.
Berichts-Zusammenfassungen. Copilot kann ganze Berichtsseiten zusammenfassen und die wichtigsten Erkenntnisse in natürlicher Sprache formulieren. Das ist neu und war mit Q&A nicht möglich.
Was das kostet – die Lizenzfrage
Hier wird es für den Mittelstand relevant. Copilot in Power BI erfordert eine Fabric Capacity oder Power BI Premium Kapazität. Die Mindestanforderung ist ein F2-SKU (Fabric) oder P1 (Premium).
Eine reine Power BI Pro- oder Premium-Per-User-Lizenz reicht nicht aus, um Copilot zu nutzen – zumindest nicht ohne weiteres. Microsoft hat allerdings mit der sogenannten “Fabric Copilot Capacity” eine Lösung geschaffen: Organisationen können eine dedizierte Kapazität einrichten (ab F2), über die Copilot-Nutzung auch für Pro- und PPU-Workspaces abgerechnet wird. Die Abrechnung erfolgt token-basiert – man zahlt also nach tatsächlicher Nutzung.
Wichtig: Microsoft hat angekündigt, den Ansatz für Pro-Lizenzen noch zu überarbeiten. Stand heute (Februar 2026) ist die endgültige Regelung für Kunden ohne Fabric oder Premium nicht final geklärt. Das ist ein offener Punkt, den man im Auge behalten muss.
Was bedeutet das in Euro?
Eine F2-Fabric-Kapazität startet bei ca. 300 EUR pro Monat (Listenpreis Pay-as-you-go, Region West Europe).* Das ist für ein mittelständisches Unternehmen mit 10-50 Power-BI-Nutzern keine dramatische Zusatzinvestition – vorausgesetzt, die Kapazität wird auch für andere Fabric-Workloads genutzt. Wer ausschließlich für Copilot-Zugriff eine Kapazität anschafft, sollte den ROI sorgfältig prüfen. Mit einer 1-Jahres-Reservierung lassen sich die Kosten um rund 40 % senken.
*Preisangabe Stand Februar 2026, Microsoft Azure Listenpreis. Preise können je nach Region, Abrechnungsmodell und Währungskurs abweichen. Den aktuellen Preis finden Sie im Azure-Preisrechner.
Migration: Was jetzt konkret zu tun ist
Dezember 2026 klingt weit weg, aber die Migration erfordert Vorbereitung. Hier ist ein pragmatischer Fahrplan:
1. Bestandsaufnahme machen (sofort)
Identifizieren Sie alle Berichte und Dashboards, die Q&A-Visuals verwenden. Das geht am einfachsten über die Power BI REST API oder den Scanner – oder manuell, wenn die Berichtslandschaft überschaubar ist. Listen Sie auf:
- Welche Berichte enthalten Q&A-Visuals?
- Wer nutzt diese aktiv?
- Welche Q&A-Setup-Konfigurationen (Synonyme, Vorschläge) existieren?
2. Lizenzierung klären (Q1-Q2 2026)
Prüfen Sie, ob Ihre Organisation bereits über eine Fabric Capacity oder Premium-Kapazität verfügt. Falls nicht: Kalkulieren Sie die Kosten für eine Fabric Copilot Capacity (ab F2) und entscheiden Sie, ob sich das lohnt.
3. Copilot testen (Q2-Q3 2026)
Richten Sie Copilot in einer Testumgebung ein. Testen Sie die Abfragen, die Ihre Nutzer bisher über Q&A gestellt haben, mit Copilot. Prüfen Sie, ob die Ergebnisse vergleichbar oder besser sind.
4. “Prep Data for AI” nutzen
Microsoft stellt mit “Prep Data for AI” ein neues Framework bereit, das die Q&A-Setup-Funktionen (Synonyme, linguistische Beziehungen) für Copilot ersetzt. Dokumentieren Sie Ihre bestehenden Q&A-Setup-Konfigurationen und übertragen Sie sie.
5. Berichte umbauen (Q3-Q4 2026)
Ersetzen Sie Q&A-Visuals in Berichten durch Copilot-Interaktionen oder – wo Copilot keinen Sinn ergibt – durch klassische Slicer und Filter. Nicht jedes Q&A-Visual muss 1:1 ersetzt werden. Manchmal war das Q&A-Feld ein Workaround für fehlende Filter.
6. Nutzer schulen
Copilot funktioniert anders als Q&A. Die Fragen können offener formuliert werden, aber die Erwartungshaltung muss stimmen. Eine kurze Schulung oder ein Leitfaden spart spätere Rückfragen.
Praxisbeispiel (fiktiv)
Ein mittelständischer Zulieferer aus dem Maschinenbau mit rund 300 Mitarbeitern hatte Q&A-Visuals in fünf zentralen Controlling-Berichten eingebaut. Die Fachabteilung nutzte sie regelmäßig, um Ad-hoc-Fragen wie “Deckungsbeitrag Produktlinie A aktuelles Quartal” zu stellen – ohne den IT-Umweg über neue Berichtsseiten.
Bei der Bestandsaufnahme stellte sich heraus: Nur zwei der fünf Q&A-Visuals wurden tatsächlich regelmäßig genutzt. Die anderen drei waren nach der initialen Einrichtung in Vergessenheit geraten. Die zwei aktiv genutzten Q&A-Felder ließen sich durch eine Kombination aus Copilot-Integration und zusätzlichen Slicern ersetzen. Die Fabric Copilot Capacity (F2) wurde eingerichtet, da das Unternehmen ohnehin plante, erste Fabric-Workloads für die Datenintegration zu nutzen. Die Zusatzkosten für Copilot fielen dadurch kaum ins Gewicht.
Sonderfälle: Embedded Analytics und Sovereign Clouds
Zwei Bereiche verdienen besondere Aufmerksamkeit:
Embedded Analytics (PaaS): Wer Q&A über die Power BI Embedded APIs nutzt, muss auf Copilot for SaaS umstellen. Die PaaS-Variante von Copilot ist laut Microsoft “in den kommenden Monaten” verfügbar – ein konkretes Datum gibt es noch nicht. Für ISVs und Anwendungen mit eingebetteten Q&A-Visuals ist das ein Risiko, das aktiv gemanagt werden muss.
Sovereign Clouds: Für Kunden in regulierten Umgebungen (z.B. Government Cloud) steht der Timeline für Copilot noch aus. Hier könnte es Verzögerungen geben.
Fazit
Die Einstellung von Power BI Q&A ist keine Überraschung – das Feature war technisch veraltet und Copilot ist in jeder Hinsicht leistungsfähiger. Aber der Umstieg ist kein Selbstläufer. Wer Q&A aktiv nutzt, braucht einen Migrationsplan, muss die Lizenzierung klären und sollte nicht bis zum letzten Moment warten. Der Dezember 2026 kommt schneller, als man denkt. Der pragmatische erste Schritt: Machen Sie jetzt die Bestandsaufnahme Ihrer Q&A-Nutzung.
Häufig gestellte Fragen
Was passiert mit bestehenden Q&A-Visuals nach Dezember 2026?
Alle bestehenden Q&A-Visuals in Berichten, Dashboards, der mobilen App und in Embedded-Szenarien werden deaktiviert und entfernt. Sie verschwinden ersatzlos aus den Berichten. Es gibt keine Übergangsphase nach dem Stichtag – wer nicht vorher migriert, hat leere Stellen in seinen Reports.
Brauche ich eine neue Lizenz für Copilot?
Copilot erfordert mindestens eine Fabric Capacity (ab F2, ca. 300 EUR/Monat) oder eine Power BI Premium P1-Kapazität. Eine reine Pro-Lizenz reicht aktuell nicht aus, allerdings prüft Microsoft noch den Ansatz für Pro-Lizenzen. Über die Fabric Copilot Capacity können Organisationen eine dedizierte Kapazität einrichten, über die auch Pro-Nutzer Copilot verwenden können.
Kann Copilot alles, was Q&A konnte?
Copilot kann mehr als Q&A: Er versteht komplexere Fragen, generiert DAX-Queries, fasst Berichtsseiten zusammen und arbeitet kontextbezogener. Das Q&A-Setup-Tooling (Synonyme, linguistische Beziehungen) wird durch das neue Framework “Prep Data for AI” ersetzt. In der Praxis berichten die meisten Anwender von besseren Ergebnissen mit Copilot.
Quellen
- Deprecating Power BI Q&A – Microsoft Power BI Blog, offizielle Ankündigung der Einstellung
- Overview of Copilot for Power BI – Microsoft Learn, Funktionsübersicht und Lizenzanforderungen
- Enable Fabric Copilot for Power BI – Microsoft Learn, Einrichtung und Fabric Copilot Capacity
- Microsoft Fabric – Preise – Azure Pricing, aktuelle Kapazitätspreise
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